Kursächsische Ganzmeilensäule, Erlabrunn/Erzgebirge

Rolf Schmalfuß 17.12.2024

Zur Geschichte der Erlabrunner Ganzmeilensäule:

Die Ganzmeilensäule befindet sich heute in der Ortsmitte auf einer Verkehrsinsel an der Auffahrt zu den Kliniken Erlabrunn. Ihr ursprünglicher Standort war vermutlich in der Nähe des Bahnhofsgebäudes gegenüber dem Nonnenfelsen.

Die Untersuchung des heutigen Denkmals ergab, dass die Säule aus unterschiedlichem Material (Granit) zusammengesetzt wurde, was darauf hindeutet, dass sie aus Teilen von mindestens zwei unterschiedlichen Säulen nach dem Verlust im 19. Jahrhundert wiedererrichtet ist. Woher die zweite Säule stammt, ist noch nicht festgestellt.

Im Mai 1934 wurde die Säule am Abzweig Steindheidel der Straße von Johanngeorgenstadt nach Schwarzenberg (jetzt S272) von einem Straßenmeister neu aufgebaut. Die Bruchstücke von wahrscheinlich zwei verschiedenen Ganzmeilensäulen wurden in Breitenbrunn und Oberwildenthal gefunden. Ein Teil bildete eine verbaute Treppenstufe, diese wurde durch den Eibenstocker Lehrer Konrad Solbrig als Bruchstück einer Ganzmeilensäule identifiziert und zum Neubau verwendet.

1950 wurde die Ganzmeilensäule an ihren heutigen Standort versetzt und 1985 hat Steinmetz Karl Slama aus Johanngeorgenstadt eine umfassende Rekonstruktion dieses Denkmals vorgenommen. Zuletzt ist die Erlabrunner Säule 2009 vor Ort gereinigt, konserviert und farblich aufgefrischt worden.

Weiteres zur Geschichte der Postmeilensäulen:

Auf Streifzügen durch unser sächsisches Land entdeckt man sie immer wieder, die alten kursächsischen Postmeilensäulen. Seit dem frühen 18. Jahrhundert markierten sie die historischen Post- und Handelsstraßen im ehemaligen Kurfürstenturm Sachsen (neben Sachsen auch Teile von Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Teile der polnischen Nieder- und Oberlausitz).

Heute würde man es als logistischen Weitblick bezeichnen, als am 12. April 1713 Kurfürst Friedrich August II. - bekannt als „August der Starke“ (König von Polen, Kurfürst von Sachsen und Großfürst von Litauen) - den Magister Adam Friedrich Zürner (1670-1733) beauftragte, das gesamte Land kartographisch aufzunehmen, um eine "verbesserte Post- und Landkarte" herzustellen.

Am 19. September 1721 erteilte der König und Kurfürst das Mandat: „anstelle der bisherigen hölzernen Wegsäulen steinerne Säulen zu errichten“. Zürner, inzwischen zum "Land- und Grentz-Comissario" ernannt, wurde mit der Umsetzung dieses Befehls beauftragt.

In festgelegten Abständen sollten Viertel-, Halb- oder Ganzmeilensäulen an den Post- und Handelsrouten gesetzt werden, wobei 1 Meile umgerechnet 9,062 km war. Für etwa 270 Städte und örtliche Bereiche wurden Distanzsäulen als Tor- oder Marktsäulen anbefohlen, wo die Entfernung in "Stunden" (1 Stunde = 1/2 Meile = 4,521 km) angegeben werden sollte.

August der Starke war vom Wert und Nutzen eines gut ausgebauten Straßen- und Wegenetzes überzeugt.

Aus einem Brief des Wegemeisters Solbrig, Eibenstock an der Oberwegmeister des Erzgebrigsvereins vom 18.10.1933:

"Die Postsäule Oberwildenthal habe ich besichtigt und vermessen. Die Säule liegt in 5 Stücken. Strassenwart Queck gibt dazu an, dass er den Sockel beim Umbau seines 1835 errichteten Hauses verwendet gewesen, das beschriftete Stück als Schwelle zur Haustür...

Queck meint, das die Säule in Oberwildenthal nicht gestanden haben könne..."


Unter Mitwirkung der Forschungsgruppe Kursächsische Postmeilensäulen e.V. inhaltlich bearbeitet
www.postmeilensaeulen.de 

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Kursächsische Ganzmeilensäule, Erlabrunn/Erzgebirge Gallerie: